Mein Senf zu Israel

Ohne Netz und doppelten Boden - das Jesusgrab


Die Grabeskirche, der heiligste Ort der Christenheit. Unter dem Dach der Kirche aus der Kreuzfahrerzeit sind die letzten fünf Stationen der Via Dolorosa vereint, dazu die Kapelle Helenas, der Ort an dem die Kaiserin das heilige Kreuz fand, das Gefängnis Jesus', die Bögen der Maria, wo der Überlieferung nach Jesus' Mutter entlangging, um das Grab ihres Sohnes zu besuchen, und unzählige weitere Orte, die mit den Ereignissen der letzten Tage in Jesus' Leben verbunden sind.

Doch wer in den vergangenen Monaten das Jesusgrab besuchte, der betrat eine Baustelle. In der Rotunda und unter den Bögen Marias Verschalungen, Aufzüge und Baugerüste, die den heiligen Plätzen das Aussehen eines Lagerhofes verliehen. In den verengten Passagen stauten sich die Besucher und machten den Gang durch die Rotunda zu Einbahnstraße oder Sackgasse. Doch trotz der Baustellenatmosphäre wehte durch die Rotunda der Hauch eines Wunders, denn diejenigen der christlichen Konfessionen, die in der Grabeskirche dominieren, brachten es fertig, sich zusammenzuraufen und einhellig einem Renovierungsplan zuzustimmen. Mehr als dreieinhalb Millionen Dollar wurden gespendet, um das Grab nach zweihundert Jahren Sanierunglosigkeit endlich zu restaurieren. Eine Maßnahme, die spätestens seit dem verheerenden Erdbeben von 1927 bitter nötig geworden war. Damals wurde die Grabeskapelle so sehr durchgeschüttelt, dass ihre Steine im wahrsten Sinne des Wortes aus der Reihe tanzten. Um einen Einsturz des instabilen Gebäudes zu verhindern, ließen die Briten, die zu dieser Zeit das Mandat über Palästina innehatten, ein Stahlkorsett um die Kapelle errichten. Das ist schon so lange her, dass diese Stahlträger in der Zwischenzeit selbst Antiquitätenstatus erreicht haben und von Generationen von Pilgern auf Millionen von Erinnerungsfotos an das Heilige Land gebannt wurden.

Doch seit diesem Mittwoch ist die Grabeskapelle wieder in all ihrer Glorie zu sehen, und diesmal ohne Netz und doppelten Boden. Das griechische Expertenteam, das die Renovierung durchführte, rückte nicht nur die verschobenen Steine zurück in ihre richtige Position, sondern reinigte das Gebäude auch vom Schmutz der Jahrhunderte, und so schimmern rosafarbener Kalkstein und grauer Marmor in alter Frische. Dem kleinen Kuppeldach am Kopfende des Jesusgrabes sieht man die Restaurationsarbeiten besonders deutlich an. Die einheitlich schwarze Farbschicht wurde entfernt, und es erhielt eine neue Bemalung aus stilisierten Blüten und Ranken. Wegen seiner Ähnlichkeit zur ältesten im Kreml ausgestellten Zarenkrone wird diese Kuppel von den russischen Pilgern ‚Tschapka Monomacha – Monomachs Kappe‘ genannt, und wie eine Zarenkrone und die Kuppel der Grabeskapelle miteinander verbunden sind, das erklärt eine Legende. Derzufolge hatte der byzantinische Kaiser Konstantin IX. Monomach genau diese Krone seinem Enkelsohn Wladimir Monomach, Großfürst der Kiewer Rus, zum Geschenk gemacht. Aber das ist nur eine Legende, der Name jedoch, den sich Zarenkrone und Kapellenkuppel teilen, ist direkt mit Grabeskirche, Jesusgrab und Renovationsarbeiten verbunden. Es war nämlich eben jener Konstantin IX. Monomach, der im 11. Jahrhundert den Wiederaufbau der Grabeskirche, die zerstört durch den fatimidischen Kalifen al-Hakim in Trümmern lag, durchführen ließ, und es ist anrührend zu sehen, dass die Kuppel, die nach ihm benannt ist, das Ergebnis der Restauration so deutlich zeigt.

Schön ist die Kapelle geworden, eine Freude für das Auge und das Herz, und mir bleibt nur zu wünschen übrig, dass die Wirkung der Restauration für die nächsten Jahrhunderte halten möge.

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