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Caesarea: Von Kreuzfahrern und Recycling


Meistens verlässt man Caesarea nach der Besichtigung von Theater, Hippodrom, Cardo und Hafen, oder dem, was davon übrig geblieben ist, durch den nördlichen Ausgang. Noch einmal schnell hoch zum Gewölbe des Torgebäudes aus dem 13. Jahrhundert geschaut, und weiter geht die Reise.

Zugegebenermaßen, mit den pompösen Ruinen der antiken Zeit können die mittelalterlichen Überreste nicht mithalten. Zur Zeit der Kreuzfahrer war von Herodes einstigem Riesenhafen, dessen Kaimauern über einen halben Kilometer ins Meer hineinragten, und der bis zu hundert Schiffe aufnehmen konnte, nicht mehr viel übrig. Die Schuldigen? Der Nilsand und das Nildelta. Seit ewigen Zeiten schwemmte die Strömung aus Südwest hunderttausende Tonnen Sand an, zur Freude der Badegäste, zum Kummer der Schiffskapitäne. Tiefwasserhäfen waren Mangelware im Heiligen Land!

Die Kreuzfahrer kümmerte die vergangene Glorie wenig. Pragmatismus war gefordert:

Jeder Hafen, egal wie klein und versandet, war eine weitere Verbindung zu Europa, zu Nachschub jeder Art: Krieger, Töpfe, Siedler, Schweine. Sie lesen richtig, die Kreuzfahrer schunkelten tatsächlich zur Deckung des immensen Schinkenbedarfes sizilianische Schweine übers Mittelmeer.

Eine Ahnung von der einstigen Pracht muss den Lateinern aber doch gekommen sein, als sie daran gingen die zum Hafen gehörige Stadt, für ihre Bedürfnisse herzurichten.

Egal wo man den Spaten ansetzte, überall Marmor und Granit, über der Erde, unter der Erde, grün geädert, rein weiß, grau marmoriert, schwarz und rot gefleckt.

Die Kreuzfahrer ertranken förmlich in den Bautrümmern der antiken Zeit. Museen gab es noch keine, Denkmalpflege auch nicht, und so verwendeten die Lateiner die Überreste einstiger Edel- architektur als minderes Baumaterial. Säulen aus Granit und Porphyr, Kapitelle und Architrave aus Marmor verschwanden unter Mauern und Fußböden aus Kurkar (Strandfels) und Kalkstein.

Wer heute nur ein wenig abseits der Touristenpfade durch die Ruinen Caesareas läuft, kann die mittelalterliche Recyclingtätigkeit überall entdecken.

Direkt neben dem Tor Ludwigs des IX. stecken die antiken Marmorkapitelle und Säulen kopfüber in den Mauern.

In den Häusern der kreuzfahrerzeitlichen Marktstraße liegen Tonnen importierten Luxusgesteins unter schlammigen Fuß-böden, und wer früh am Morgen kommt, sieht das Fundament der nördlichen Hafenmauer aus dem Meer ragen; verlegt aus unzähligen antiken Granitsäulen.

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