Mein Senf zu Israel

Israels blaue Augen oder "Puh, ist mir heiß"

Es ist Sommer! Die Temperaturen steigen auf über 30 Grad, die Luftfeuchtigkeit wabbert in der Küstenebene an die 100%-Marke heran, die Sonne brennt unbarmherzig am immerblauen Himmel, und die Natur erstarrt zur Wüstenlandschaft, wird grau, braun und gelb.

Was also tun mit solchen Tagen, an denen man nur schweißüberströmt von Schatten zu Schatten springen – ach, was sage ich! - kriechen kann? Sightseeing erübrigt sich von vornherein, und irgendwann wird auch der Gang an den Strand langweilig, genauso wie der ständige Besuch von heruntergekühlten Einkaufszentren oder Kinos. So tief kann weder das Pordemonaide sein, noch der cineastische Geschmack sinken!

Hier kommen Israels blaue Augen ins Spiel. Damit meine ich nicht die, die mir an den Stränden von Tel Aviv aus braungebrannten Gesichtern entgegenlachen, obwohl da durchaus erfrischende Momente dabei sein können, sondern Quellen. “Quelle“ heißt nämlich auf neuhebräisch “Ain“, und “Ain“ wortwörtlich übersetzt bedeutet “Auge“. Also ist hier die Rede von den blauen Augen der Erde.

Und von denen hat Israel genug: klein wie Hand-tücher oder groß wie Baggerseen, klar wie Kristallglas, hineingegraben in felsige Schluchten oder versteckt unter aus-ladenden Büschen, überschattet von Feigen-bäumen, Eukalyptus und Eichen und allemal einen Besuch wert.

Mein liebster Ort ist eigentlich nicht ein bestimmter Platz sondern eine ganze Kette von Tälern die Israel und Palästina von Nordwesten nach Südosten durchziehen. Von Akko an der Mittelmeerküste geht es immer nach Südosten durch das Kishontal hinein ins Jezreeltal, hinüber ins Emek Hama’ayanot und von da steil hinunter ins Jordantal. Eine Landschaft schöner als die andere, und unter all diesen Schönheiten hat es mir das Emek Hama‘ayanot, das Tal der Quellen, besonders angetan.

Dieses Tal heißt nicht so, um poetisch Mängel zu vertuschen, sondern es stimmt, was da steht. Circa anderthalb Autostunden nördlich von Tel Aviv liegt es eingerahmt von den Gilboabergen im Süden und dem Morehberg im Norden. Und wenn man sich ein wenig auf die Zehenspitzen stellt, öffnet sich ein atemberaubender Blick hinüber in die jordanischen Moavberge. Doch nicht der, den man vom Toten Meer oder den hohen Aussichtspunkten in Jerusalem wie der Galerie der Hurva Synagoge oder dem Turm der Augusta Victoria kennt, sondern näher, grüner, saftiger, lieblicher... Ein hoher Grundwasserspiegel und fruchtbare Erde bewirken, dass die Gegend auch im heißesten Sommer blüht und grünt, und zwischen Weizenfeldern und Dattelpalmenhainen warten verlockend wie Sirenengesänge bezaubernde Plätze an denen man vergessen kann wie sengend der israelische Sommer ist. Einmal angekommen begrüßen licht- und schattengesprenkelte Oasen, seltene Wassertiere und exotische Pflanzen.

Die wenigsten Reisenden kommen absichtlich in diese Tallandschaften, durchfahren sie nur, wenn es auf der Straße 90 nach Jerusalem geht, oder sie auf der 75 von Haifa nach Nazareth reisen. Dabei lohnt es sich anzuhalten und den Motor abzustellen. Keine großen Umwege, oft muss man nur rechts ranfahren und ist schon da, zum Beispiel in Ain Yezreel mit seinem unterirdischen, antiken Wassersystem, in Ein Schoqeq, einer Quelle mit solch klarem Wasser, dass man die Wasseroberfläche für den Grund des kleinen Sees halten könnte, in Gan Haschloscha wo Badevergnügen in den Ruinen einer Mühle aus der osmanischen Zeit wartet. An der Harodquelle kann man nicht nur ins kühle Nass springen, sondern sich dabei daran erinnern, dass genau hier vor über 750 Jahren die Mamelucken das Vorrücken der Mongolenheere nach Südwesten stoppten .... und und und ... Sie sehen, der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Und wer es ohne Kultur, Archäologie und Geschichte nicht aushält, der kann nach der Abkühlung im Quellwasser noch Bet Schean, die schönste antike Stadt Israels noch vor Caesarea, die Johanniterfestung Belvoir, Sepphoris, den Ort an dem Yehuda Hanassi lehrte oder Megiddo besuchen.

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