Mein Senf zu Israel

Im Vorbeigehen mitbekommen

Israel ist das Land der Gegensätze und der Vielfalt, einmaliger Sitten und Gebräuche. Etwas von allem habe ich auf den folgenden Bildern festgehalten:

Zur israelischen Hochzeit gehört nicht nur eine pompöse Trauung am Abend sondern auch der Fototermin am Nachmittag. Und damit dabei das perfekte Hochzeitsbild herauskommt, legt man sich so richtig ins Zeug. Die Bräutigame sowieso und die Bräute noch viel mehr. Geschminkt, gestylt und schulterfrei posieren sie ohne mit der Wimper zu zucken, egal ob es nun Bindfäden regnet, oder der Wind Geschwindigkeiten von 70 Stundenkilometern erreicht.

Der Islam versucht seinen Gläubigen das religiöse Leben leichter zu machen. Fünfmal am Tag Beten klingt zwar nicht danach, doch der Moslem muss dafür kein Gotteshaus aufsuchen und keine Glaubensgenossen um sich haben. Ein paar Minuten der Abwendung vom Alltag und der Hingabe zu Gott, egal wo man gerade ist, genügen. Einzige Ausnahme: das Freitagsgebet. Die drei jungen Männer sind auf dem Weg in die al-Aqsa Moschee. Was man hier unbedingt dabeihaben sollte, ist der Gebetsteppich.

Die Mesusa ist eigentlich nicht die dekorierte Hülle aus Glas, Keramik, Holz oder Metall, die man an jedem Türpfosen eines jüdischen Hauses im oberen Drittel sieht, sondern die kleine Pergamentrolle mit Versen aus der Tora, die sich darin befindet. Ihre Bedeutung geht auf den Auszug aus Ägypten zurück. Vor der zehnten Plage wurden die Israeliten von Gott angewiesen, die Pfosten ihrer Häuser mit Blut zu markieren, damit Gott an diesen Häusern vorübergehe und die Erstgeborenen darin verschone. Betritt man ein jüdisches Haus, berührt man die Mesusa, um den Segen den sie in sich birgt, auf sich zu übertragen. Wenn genügend Hände die Mesusa berührt haben, kann selbst der härteste Stein darum herum poliert und patiniert wie uraltes Holz aussehen.

Jerusalem ist nicht nur das Zuhause dreier Religionen sondern auch das der Jerusalemer Keramik. Als Jerusalem 1917 von den Briten erobert wurde, wurde es auch zum sicheren Hafen für Armenier, die vor dem armenischen Genozid in der Türkei flohen. Unter ihnen drei Familien, die die Welt des Jerusalemer Tongeschirrs verändern sollten: Karkashian, Balian und Ohannessian. Alle drei waren Töpfermeister, und mit sich im Gepäck brachten sie Stilelemente türkischer Keramik aus Iznik und Kütahya wie Rosen, Hyazinthen, Tulpen und Nelken, die sie hier im Land mit Motiven aus einheimischer Flora und Fauna wie Granatäpfeln, Weinreben und Gazellen ergänzten. Jeder, der diese Keramik im Gewirr der Jerusalemer Altstadt einmal entdeckt hat, wird sie immer wieder erkennen.

Die Saint Etienne Kirche in Jerusalem hat in ihrem Kirchenraum die schönste Darstellung des heiligen Joseph, doch fast unter seinen Füßen liegen einige der besterhaltensten eisenzeitlichen Grabanlagen Jerusalems. Vermögende Familien der biblischer Zeit ließen sich in vielkammerigen Felsgräbern bestatten. Die Toten wurden auf steinerne Ruhebetten gelegt, und nach 12 Monaten, wenn das Fleisch vergangen war, wurden die Knochen und Beigaben eingesammelt und in einen Raum unterhalb der Ruhebetten gelegt. Die meisten Grabanlagen findet man leergeräumt vor, doch in den Gräbern von Saint Etienne befinden sich nach über 2500 Jahren zumindest die Knochen noch immer in den unteren Kammern der Felsgräber.

Wenn eine Gruppe von Drusen auf Reisen geht, dann ist das schon etwas besonderes. Noch dazu, wenn es sich dabei um al-Uqqal, die in die Geheimnisse der drusischen Religion Eingeweihten, handelt, erkennbar an den weißen Schleiern der Frauen und den Schurrbärten und Pluderhosen der Männer. Die Drusen sind keine Moslems, jedoch im 11. Jahrhundert u. Z. in Ägypten aus dem schiitischen Islam hervorgegangen. In Israel leben sie in drei Gebieten, dem Golan, dem Galil und im Carmelgebirge, und ab und zu kann man sie an so exotischen Orten wie der Dormizio-Kirche auf dem Zionsberg treffen.

Seit September 2013 wurde die Geburtskirche in Bethlehem gründlichen Renovationen unterzogen. Dabei wurde nicht nur der marode Dachstuhl erneuert, sondern es wurden auch alle Oberflächendekorationen der Kirche, also Wand- und Bodenmosaike, sowie Malereien von den jahrhundertealten Ablagerungen aus Ruß, Kalk und Farbe befreit. Auf einigen der Säulen, die die Kirchenhalle stützen, kamen unter dem schwarzen Schmutzfilm uralte Graffiti zum Vorschein und darunter eines, das Walter von der Vogelweide zu Tränen gerührt hätte. Die beiden Ritterhelme, einer mit Schwan, einer mit Reiher, sehen nämlich den abenteuerlichen Prunkhelmen in der großen Heidelberger Liederhandschrift des 14. Jahrhunderts, dem Codex Manesse, zum Verwechseln ähnlich.

Niemand anderen als den Kreuzfahrern haben wir es zu verdanken, dass wir beim Kaffeekränzchen weißen Zucker in unseren Kaffee löffeln können! Zentraleuropa süßte bis zum 12. Jahrhundert mit Honig. Das änderte sich, als die Kreuzritter das Heilige Land eroberten, zum ersten Mal Zucker kosteten und vom „süßen Schnee“ begeistert waren. Es dauerte nicht lange, bis die adeligen Lateiner das wirtschaftliche Potential von Zucker entdeckten und Zuckermühlen in den warmen Tälern wie Jordantal, Beth Shean-Tal und dem Kischontal neben Akko errichteten. Bis heute wird bei Akko Zuckerrohr angebaut, und wer zur richtigen Jahreszeit kommt, kann frisch gepressten Zuckerrohrsaft trinken.

Wenn bärtige Männer backen ... , dann ist Pessach. Sieben Tage soll man kein Brot essen, desssen Teig mit Hilfe von Hefe oder Sauerteig aufgegangen ist. Um das hinzubekommen, muss man vor Pessach mit der Stopuhr backen. 18 Minuten haben die Männer für einen Backgang. 18 Minuten um den Teig zu mischen, zu kneten, auszurollen, die Matzen zu formen und sie in den Ofen zu schieben. Danach wird der Tisch gesäubert, Einwegschürzen und -handschuhe werden weggeschmissen und das ganze Prozedere beginnt von vorn. Teig der älter ist als 18 Minuten gilt nämlich als fermentiert und ist somit untauglich zum Verzehr an Pessach.

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