Mein Senf zu Israel

Wann gibts denn endlich was zu essen?

April 30, 2019

Das ist Ali:

Ali ist unser Magazinverwalter auf der Ausgrabung in Caesarea und kriecht gern durchs Gebüsch. Das macht er, weil er sich mit Wildpflanzen gut auskennt. So gut, dass auf unserem Frühstückstisch nicht nur Schakschuka (Spiegelei in pikanter Tomatensoße) oder Hummus landen, sondern auch mit Zwiebeln gebratene Stockrosenblätter, ein Salat aus frischem Wildsenf,  gedünsteter Wildspargel und andere Leckereien aus Feld, Wald und Wiese, deren Namen ich mir beim besten Willen nicht merken kann. Man muss eben nur wissen was und wann: wilder Spargel und Endivien von November bis Februar, Stockrosen und Satar von Januar bis April, Wildaprikosen im Mai, Maulbeeren und Feigen im Juli ...

Und wer kein Talent dazu hat sich seine Nahrung in Urmenschmanier selbst zusammenzusuchen, aber trozdem gern Außergewöhnliches ißt, der tut gut daran auf die einheimischen Märkte zu gehen. Damit meine ich nicht Allerweltsmärkte wie Aldi oder Lidl, sondern die improvisierten Stände der Palästinenserfrauen vorm Damaskustor, an denen man Obst- und Gemüsesorten findet, die ganz bestimmt nicht Allerweltsgemüse sind. 

Auch hier ist man im Vorteil, wenn man ein wenig Erfahrung mitbringt, denn wer weiß schon, wie grüner Hummus aussieht? Doch mit etwas Salz bestreut und für 15 Minuten in der Backröhre geröstet, schmeckt er herrlich. Auch Misqaui-Aprikosen wirken durch ihre grünlich-gelbe Farbe eher unattraktiv, dasselbe gilt für die mickrigen, grünen Bananen aus der Gegend von Jericho. Man muss sich eben nur überwinden, kosten, und der Geschmack spricht für sich! Und dann sind da noch all diese Berge von Grünzeug, die aussehen, als würden sie auf eine ausgehungerte Ziege warten. Dabei wird fast alles mit etwas Olivenöl, Knoblauch und Salz in die Pfanne geschmissen, und fertig sind Gerichte, die sehr an Spinat erinnern, aber eben nur fast, der Geschmack ist mal nussig, mal angenehm säuerlich, mal würzig-scharf.

 

 

Diejenigen, die zu kurz hier sind, um tiefer in die Esskultur einzutauchen, können auf Restaurants, Cafés und Imbißstände auf Carmel- und Machane Yehuda Markt zurückgreifen.

Alle Küchen der Welt (außer vielleicht der patagonischen und der isländischen) geben sich ein Stelldichein, und zwar nicht in Form von verhunzten (Koch)imitaten, sondern als Loblieder auf die Küchen der Vorfahren, seien sie nun aus Marrokko, Polen, Frankreich oder dem Iraq nach Israel eingewandert. Dazu gesellen sich palästinensisch-levantinisch-mediterrane Einflüsse, und Israel begrüßt seine Gäste mit einer unfassbaren Vielfalt an kullinarischen Genüssen.

Darf ich einladen? Zu einer schnellen Mahlzeit? Da gäbe es Lammhackfleischspieße die bei Abu Hassan im arabischen Vietel der Altstadt nicht weit vom Herodestor serviert werden. Oder wie wäre es mit Satar, einem Gewürzmix aus Origanum syriacum, Sesamkörnern und Sumac? Mit Pitabrot und Olivenöl gegessen, beinhaltet es alles, was einen guten Imbiss ausmacht. Oft sind ohnehin die Probiermahlzeiten die besten. Viele Restaurants bieten eine Vielzahl von Vorspeisen an, die Lust auf mehr machen, wie das „Susanna“ in Neve Zedek oder das „Pimpinella“ und das „Ouzeria“ im Tel Aviver Florentinviertel. Und wer lieber Klein-aber-Fein im Vorbeigehen möchte, auf den warten auf dem Carmelmarkt Stände wie das „Panda“, die sowohl konservative Sandwiches mit frisch gebratener Hähnchenbrust, als auch gewagte Pitakreationen, gefüllt mit caramelisierter Aubergine oder tunesischer Ceviche servieren. 

Selbst der Suppenkasper würde hier garantiert nicht nur eine, sondern gleich mehrere Suppen löffeln: Yemenitische Suppe und Kubbesuppe. Die eine mit Rindfleisch, Kardamom und Gelbwurz, die andere mit Kubbe, mit Hackfleisch gefüllte Grießklösschen, in einer mit roter Bete bereiteten Brühe.

 

 

 

Israel sitzt zwar am Meer, aber zum Fischfangen haben die wenigsten Zeit. In dem Fall serviert „Abdu Hadayag“ in Jaffa unprätentiös und perfekt zubereiteten Fisch frisch aus dem Meer.

Für diejenigen dagegen, die Fischkreationen mit dem gewissen Etwas bevorzugen, gibt es in Akko das „Uri Buri“.

 

 

Überhaupt, die israelischen Köche sind experimentierfreudig und tradtionsverhaftet zugleich. Und so entsteht ein phantastischer Mix aus Orient und Occident. Das „Goocha“ interpretiert das Prinzip der im Fett ausgebackene Falaffel neu, und anstelle des Hummus hält Fischtartar mit Dill für die knusprigen Bällchen her. Das „1868“ in Jerusalem dagegen serviert Hähnchen mit einem Hauch von Zuhause. Ehrlich! Meine Großmutter hätte den nussig-rauchigen Geschmack des Fleisches in ihrem alten Holzofen nicht besser hinbekommen!

Als typisch arabisches Dessert gibt es Katayeif aus luftigem Pfannkuchenteig, der mit Schafskäse oder Nüssen gefüllt und gebraten wird, oder Malabi, Sahnepudding verfeinert mit Rosenwasser. Dazu ein Glas bitteren arabischen Kaffee mit Kardamom, und der perfekte Nachtisch ist angerichtet.

Wer aber lieber an Europa denkt, während ihm das Dessert auf der Zunge zergeht, der kann im „Yaffo Tel Aviv“, im „Mona“,  im „Dallal“ und und und ... glücklich werden.

 

Glauben Sie jetzt bloß nicht, dass das alles war! Ich bin noch lange nicht damit fertig, mich hier durchzukosten, durchzuprobieren, durchzutesten! Ich könnte gleich schon wieder losziehen!

 

Und hier noch einmal die ganze Herrlichkeit auf einen Blick:

Wunderbare Kebabspieße gibt es gleich an mehreren Orten, doch die besten gibts in Bethlehem in einem kleinen Lokal mit gerade mal fünf Tischen, genau dort, wo der Mangersquare endet und die Marktstraße beginnt, auf der rechten Seite.

Die besten Gnocchi hat unbestritten das „Goocha“ in Tel Aviv.

Der beste arabische Nachtisch wird im „Tishreen“ in Nazareth serviert.

Die unkonventionellsten Fischkreationen bekommt man im „Uri Buri“ in Akko,

und wer die ganze Vielfalt auf einen Schlag testen will, dem sei das Probiermenu ans Herz gelegt.

Wer dagegen fangfrischen Fisch ohne Schnickschnack bevorzugt, ist im „Abdu Hadayag“ in Jaffa gut aufgehoben. Und nicht nur der Fisch, sondern auch die Vorspeisen dort sind sensationell!

Und wer auf Hummus partout nicht verzichten kann, den besten gibts ... bei mir unterm Haus! Nämlich bei „Abu Berkowitz“ in Ramat Hasharon. Unglaublich aber wahr, auch Nicht-Orientalen können verdammt guten Hummus machen!

Die besten jemenitischen Suppen hat die kleine Suppenküche "Simon, Melech HaMarakim" auf der Kapach Straße hinter dem Carmelmarkt in Tel Aviv.

Und schließlich und letzendlich, die besten arabischen Blätterteigtaschen gibt es auf der Khan-es-Zeit-Straße in Jerusalem, in einer kleinen Bäckerei, dort wo es die Treppen hinauf zur neunten Station der Via Dolorosa geht.

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