Mein Senf zu Israel

My name is Barluzzi, Antonio Barluzzi!

Das klingt nach einer Hommage an James Bond! Und tatsächlich, die Parallelen sind unverkennbar. Wie kaum einer James Bond kennt (zumindest nicht, wenn es nach dem Plot der Filme geht, schließlich ist er ja Geheimagent!) wissen die wenigsten, wer Antonio Barluzzi ist. Genauso wie James Bond hat er unübersehbare Spuren hinterlassen, auch wenn dabei nichts explodierte. Und wenn James Bond ausschließlich von schönen Frauen mit kurzem Haltbarkeitsdatum geliebt wurde, so wird Antonio Barluzzi von all denen geliebt, die beim Anblick seiner Werke endlich erfahren, dass er ihr Schöpfer ist.

Ich könnte mir jetzt weitere absurde Parallelen einfallen lassen, aber ich will Sie ja nicht auf die Folter spannen.

All jene, die schon einmal in Israel und Palästina gewesen sind, haben mit Garantie, freiwillig oder unfreiwillig, etwas von Antonio Barluzzi gesehen! Er nämlich war der Kirchenbaumeister des Heiligen Landes. Keiner kann sich, wenn es um die Anzahl der erbauten Kirchen und Kapellen geht, mit ihm messen, weder der römische Kaiser Konstantin der Große, noch die Kreuzfahrerkönigin Melisende und ihr Gemahl Fulk von Anjou, und die haben wahrlich viel gebaut.

Dabei hatte es am Anfang von Barluzzis Karriere garnicht danach ausgesehen. Er wurde 1884 in Rom geboren, studierte Bautechnik und diente danach im Ingenieurskorps der Armee, doch insgeheim war er sich nicht sicher, ob Technik und Bauwesen tatsächlich seine Berufung wären, oder er nicht vielleicht der Welt besser diente, wenn er einem Priesterseminar beiträte.

Zu jener Zeit, im Jahre 1911, war Antonios Bruder Giulio schon ein etablierter römischer Architekt, der in Aufträgen förmlich ertrank. Diese Auftragsflut schwoll weiter an, als der Vorsitzende der Italienischen Missionarsgesellschaft in Palästina mit der Bitte an Giulio herantrat, ein italienisches Krankenhaus in Jerusalem zu bauen. In seiner Bedrängnis wandte sich Giulio an Antonio und bat ihn darum, ihn bei der Durchführung dieses Bauprojektes zu unterstützen. Antonio sagte zu, und die Entscheidung zwischen Predigerkanzel und Reißbrett war gefallen.

Gott sei Dank!

Wieviel ärmer wäre das Heilige Land ohne Antonio Barluzzi! Einige berühmte Berge sähen kahler aus, einige heilige Stätten leerer. Es gäbe weder die Dominus Flevit Kirche auf dem Ölberg, noch die Transfigurationskirche auf dem Taborberg oder die Kapelle auf dem Berg der Seligpreisungen, weder die Kirche aller Nationen im Garten Gethsemane, noch die Kapelle auf dem Hirtenfeld in Beth Sahour, weder die Ausschmückung der franziskanischen Kapelle auf dem Golgathafelsen, noch die Besuchskirche in Ein Karem, weder die Lazaruskirche in Bethanien, noch die Geißelungskapelle an der ersten und zweiten Station der Via Dolorosa.

All seine Bauten, angefangen bei seinen ersten Projekten, der Kirche aller Nationen im Garten Gethsemane und der Transfigurationskirche auf dem Berg Tabor, bis hin zu seinem letzten, einem Entwurf der Verkündigungskirche in Nazareth, wiederspiegeln seine tiefe Liebe zu Gott, zur katholischen Kirche, zu den Geschichten der Bibel.

Es sind dabei drei Prinzipien denen Barluzzi’s Bauwerke folgen: die Beachtung der geologischen Besonderheit des Ortes, die Bezugnahme auf die Archäologie des Ortes und die Ehrung der biblischen Geschichte des Ortes. Alle Bauten Barluzzis sind aus regionalen Steinen und in traditioneller Bauweise errichtet; Basalt am See Genezareth, gelber oder roter Kalkstein in und um Jerusalem und Bethlehem, steinerne Kuppeldächer, Rundbogenfenster, säulengetragene Hallen und Gänge.

Einige Kirchen sind auf die Fundamente von Vorgängerbauten aus frühchristlicher (byzantinischer) oder der Kreuzfahrerzeit aufgesetzt, folgen deren Grundrissen und erinnern so an die architektonische Vergangenheit des Ortes. Antike Bauplastik und Mosaiken wurden in die neuen Bauten integriert und bilden oftmals in moderner Wiederholung ein Gestaltungsmittel der Innenräume.

Einmal eingetreten in eine seiner Kirchen kann man nicht umhin, den Reichtum an Symbolik und die Tiefe der Botschaften wahrzunehmen. Sie offenbaren sich nicht nur in der Pracht der Wandgemälde, sondern spiegeln sich auch in der Form des Bauwerkes, in der Gestaltung von Decken, Böden, Fenstern und Türen wieder, und geleiten den Betrachter weiter und weiter in die biblische Bedeutung des Ortes, ja sogar in die Atmosphäre der Geschichten des Neuen Testamentes hinein.

Immer mehr Details offenbaren sich, je öfter man zu Besuch kommt, und wenn man die Kirche oder Kapelle verlässt, weiß man, dass man beim nächsten Mal neue Botschaften entdecken wird.

Im Jahr 1960 starb Barluzzi in Rom, man sagt an gebrochenem Herzen. Das letzte Projekt, sein Meisterstück an dem er rastlos gearbeitet hatte, war der Entwurf eines Neubaus der Verkündigungkirche in Nazareth gewesen. Doch das von ihm präsentierte Kirchenmodel wurde scharf kritisiert. Die einen prangerten es als zu groß und zu pompös für die kleine Stadt, die Nazareth zu jener Zeit gewesen war, an. Andere sahen in ihm zu viel Ähnlichkeit mit einer Moschee oder bezeichneten den Stil der Kirche als verspielt und überladen. Der neue Custos des Heiligen Landes, Alfredo Polidori, entzog Barluzzi schließlich 1958 das Projekt und übergab es dem Milaner Architekten Giovanni Muzio, der die heutige Verkündigungskirche in Nazareth nach seinen eigenen Entwürfen verwirklichte. Eine Verletzung von der sich Barluzzi nicht mehr erholte.

Diejenigen der Gebäude, die Barluzzi errichten durfte, sind heute Wahrzeichen von Jerusalem und des Heiligen Landes, und je mehr Zeit vergeht, je mehr Patina sich über Barluzzis Bauten legt, umso eindrucksvoller und eindringlicher werden sie. Aber sehen Sie bei Ihrem nächsten Besuch selbst!

Neueste Posts
Archiv
Suche nach Stichwort
Folge mir
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square